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Corsi und Fenwick: Possession-Metriken im Eishockey einfach erklärt

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Im Eishockey gibt es keinen klassischen Ballbesitz wie im Fußball — die Uhr läuft nicht, wenn ein Team den Puck kontrolliert, und es gibt kein offizielles Possession-Tracking. Doch Corsi und Fenwick lösen dieses Problem elegant: Sie messen Schussversuche und nutzen sie als Proxy für die Spielkontrolle. Mehr Schussversuche bedeuten mehr Zeit im Angriff, mehr Druck auf den Gegner, mehr Chancen auf Tore.

Beide Metriken sind aus der Hockey-Analytik nicht mehr wegzudenken. NHL-Teams beschäftigen mittlerweile rund 150 Analysten — zehnmal so viele wie noch vor wenigen Jahren. Corsi und Fenwick sind das Handwerkszeug dieser Spezialisten. Schussversuche als Besitzanzeige — und dieser Guide erklärt, wie das funktioniert.

Corsi: Definition, Formel, Interpretation

Corsi — benannt nach Jim Corsi, einem ehemaligen NHL-Goalie-Coach — zählt alle Schussversuche bei gleicher Spieleranzahl (Even Strength). Dazu gehören Schüsse aufs Tor (SOG), geblockte Schüsse und Schüsse, die das Tor verfehlen. Die Grundidee: Wenn ein Team mehr Schussversuche hat als der Gegner, kontrolliert es das Spiel.

Die Formel ist simpel. CF (Corsi For) ist die Anzahl der Schussversuche des eigenen Teams. CA (Corsi Against) die des Gegners. CF% ergibt sich aus CF / (CF + CA) × 100. Ein CF% von 55 bedeutet: Von allen Schussversuchen im Spiel entfielen 55 Prozent auf das eigene Team. Das ist ein starker Wert — ligaweit liegt der Durchschnitt naturgemäß bei 50 Prozent.

In der Praxis wird Corsi auf Team- und Spielerebene verwendet. Auf der Teamebene zeigt CF%, wie dominant eine Mannschaft über die gesamte Saison ist. Teams mit einem CF% über 52 Prozent gehören fast immer zu den Playoff-Teilnehmern. Die Korrelation zwischen Corsi und langfristigem Erfolg ist in der Analytik-Community gut dokumentiert — besser als jede traditionelle Metrik außer vielleicht xG.

Auf der Spielerebene zeigt Corsi, wie das Spiel läuft, wenn ein bestimmter Spieler auf dem Eis steht. Ein Stürmer mit einem individuellen CF% von 58 Prozent über eine Saison ist ein Spieler, dessen Anwesenheit das Schussverhältnis seines Teams deutlich verbessert. Das ist eine wertvollere Information als die bloße Punkteausbeute, weil sie die Spielkontrolle misst — nicht nur das Ergebnis.

Die Schwäche von Corsi: Es differenziert nicht zwischen der Qualität der Schüsse. Ein harmloser Fernschuss von der blauen Linie zählt genauso wie ein Rebound-Versuch aus der Slot-Zone. Deshalb wird Corsi in der modernen Analytik zunehmend durch xG ergänzt, das genau diese Qualitätsdimension abbildet. Aber als Gesamtindikator für Spielkontrolle bleibt Corsi unverzichtbar — einfach zu berechnen, robust in der Aussage, und in Echtzeit verfügbar.

Corsi gibt es in verschiedenen Varianten: 5v5 (nur bei gleicher Spieleranzahl), Score-adjusted (bereinigt um den Spielstand, weil Teams mit Führung defensiver spielen) und Close (nur bei knappen Spielständen). Für den Einstieg genügt CF% auf 5v5-Basis. Wer tiefer einsteigen will, findet auf Natural Stat Trick und Evolving-Hockey alle Varianten aufbereitet.

Ein wichtiger Kontextfaktor: Corsi wird durch die Qualität der Mitspieler und Gegner beeinflusst. Ein vierter Stürmer, der überwiegend gegen die Top-Linien des Gegners spielt, wird einen niedrigeren CF% haben als ein Stürmer in der ersten Reihe, der gegen schwächere Gegner eingesetzt wird. Deshalb betrachten erfahrene Analysten Corsi immer im Kontext der Einsatzzone (Offensive Zone Starts vs. Defensive Zone Starts) und der Qualität der Mitspieler und Gegner.

Ein Praxisbeispiel: Stürmer X hat einen CF% von 48, was unterdurchschnittlich klingt. Aber seine Zone-Start-Quote zeigt, dass 65 Prozent seiner Faceoffs in der eigenen Zone stattfinden — er wird also gezielt in Defensivsituationen eingesetzt. Berücksichtigt man diesen Kontext, ist sein CF% von 48 respektabel, weil er trotz schwieriger Einsätze das Schussverhältnis nahe an 50/50 hält.

Fenwick: Der bereinigte Cousin

Fenwick funktioniert identisch wie Corsi — mit einer Ausnahme: Geblockte Schüsse werden nicht gezählt. FF (Fenwick For) zählt nur Schüsse aufs Tor und verfehlte Schüsse, nicht aber geblockte. Die Idee dahinter: Ein geblockter Schuss sagt mehr über die Verteidigungsqualität des Gegners aus als über die Angriffsqualität des schießenden Teams. Fenwick eliminiert diesen Faktor und bietet damit eine «reinere» Messung der offensiven Aktivität.

Die Formel: FF% = FF / (FF + FA) × 100. Ein FF% von 54 Prozent ist ein guter Wert. Die Unterschiede zwischen Corsi und Fenwick sind in der Praxis oft marginal — zwei bis drei Prozentpunkte —, aber in spezifischen Situationen aufschlussreich.

Fenwick ist besonders dann nützlich, wenn man Teams mit extrem vielen oder wenigen geblockten Schüssen vergleicht. Ein Team, das eine defensive Strategie fährt und systematisch Schüsse blockt, wird in der Corsi-Statistik besser aussehen (niedrigeres CA), als es offensiv tatsächlich ist. Fenwick korrigiert diesen Effekt, indem es die Blocks herausrechnet.

Ein konkretes Beispiel: Team A hat ein CF% von 48, aber ein FF% von 51. Das bedeutet: Team A lässt zwar viele Schussversuche zu (schlechter Corsi), aber ein großer Teil davon wird geblockt. Ohne die Blocks wäre das Verhältnis zu Gunsten von Team A. Fenwick zeigt hier das realistischere Bild der Spielkontrolle.

In der Praxis hat sich der Taktik-Wandel, den die Analytik angetrieben hat, direkt in den Schussdaten niedergeschlagen. Laut Sportlogiq stieg der Anteil der Schüsse aus dem Slot — der gefährlichsten Zone — von 30 Prozent in der Saison 2015–16 auf 40 Prozent in 2018–19. Dieser Wandel ist eine direkte Konsequenz der Corsi- und Fenwick-Analyse: Teams erkannten, dass nicht die Menge der Schüsse, sondern deren Qualität entscheidend ist, und passten ihre Taktik an.

Wann sollte man Corsi verwenden, wann Fenwick? Für die Gesamtbewertung eines Teams über eine Saison ist Corsi der Standard, weil es alle Schussversuche erfasst und damit die breiteste Datenbasis hat. Fenwick ist sinnvoller für die Analyse spezifischer Spieler oder Spielsituationen, in denen geblockte Schüsse das Bild verzerren könnten. Wer beides liest, hat die vollständigste Perspektive.

In der Live-Analyse während eines Spiels werden Corsi und Fenwick zunehmend in Echtzeit angezeigt. Dienste wie Natural Stat Trick aktualisieren die Werte nach jedem Schussversuch. Für Fans, die ein Spiel mit offener Statistik-Seite verfolgen, entsteht ein zusätzlicher Verständnislayer: Man sieht nicht nur, dass Team A dominiert — man sieht es in Zahlen, die sich mit jedem Spielzug verändern.

Einfach, robust und in Echtzeit verfügbar

Corsi und Fenwick sind die Grundpfeiler der Hockey-Analytik — einfach in der Berechnung, robust in der Aussage und in Echtzeit verfügbar. CF% misst die gesamte Schussaktivität, FF% filtert geblockte Schüsse heraus. Zusammen liefern sie ein Bild der Spielkontrolle, das über das Ergebnis hinausgeht. Wer diese beiden Metriken versteht, hat das Fundament für alles, was in der modernen Hockey-Analyse folgt — von xG bis zu NHL EDGE.