In den USA haben Millionen Haushalte das klassische Kabelfernsehen abbestellt — und trotzdem kein einziges NHL-Spiel verpasst. Das klingt nach einem Widerspruch, ist aber die Realität von 2026. Die Frage ist nicht mehr, ob man Hockey ohne Kabel schauen kann, sondern welcher der zahlreichen Wege der klügste ist.
Die NHL-Medienverträge, die Disney rund 400 Millionen Dollar pro Jahr und Turner etwa 225 Millionen Dollar jährlich kosten, haben die Rechteverteilung komplexer gemacht. Gleichzeitig sind genau diese Summen der Grund, warum es inzwischen so viele legale Streaming-Optionen gibt. Jeder Partner will seine Investition monetarisieren — und das funktioniert nur mit Reichweite.
Für Cord-Cutter bedeutet das: mehr Auswahl als je zuvor, aber auch mehr Verwirrung. Drei grundsätzliche Wege führen zum Ziel — virtuelle Kabelpakete, ESPN DTC als Standalone-Lösung oder die clevere Kombination aus Antenne und Streaming. Jeder hat seine Stärken, seine Grenzen und seinen Preis. Kabel kündigen, Hockey behalten — dieser Guide zeigt wie.
Option 1: vMVPD-Dienste — Sling, Hulu, YouTube TV
Virtual Multichannel Video Programming Distributors — kurz vMVPDs — sind im Grunde Kabelfernsehen über das Internet. Sie liefern dieselben Sender, die auch im klassischen Kabelpaket stecken, aber ohne den physischen Kabelanschluss. Für Hockey bedeutet das: Wer ESPN und TNT im Paket hat, sieht die nationalen NHL-Spiele live.
Sling TV ist die günstigste Einstiegsoption. Das Orange-Paket für etwa 46 Dollar pro Monat enthält ESPN und ESPN2, die zusammen den Großteil der national übertragenen NHL-Spiele abdecken. TNT fehlt allerdings im Orange-Paket — dafür braucht man das teurere Orange+Blue-Kombi für rund 61 Dollar. Sling erlaubt keine gleichzeitigen Streams im Orange-Tier, was für Familien ein Problem sein kann.
Hulu + Live TV kostet 76,99 Dollar pro Monat und bietet dafür ein umfassendes Senderpaket inklusive ESPN, TNT, ABC und lokaler Sender. Die Integration mit dem Hulu-Streaming-Katalog macht den Dienst auch außerhalb der Hockey-Saison attraktiv. Für Haushalte, die ohnehin ein Hulu-Abo haben, ist der Aufpreis überschaubar. Cloud DVR mit unbegrenztem Speicher ist inklusive — ein Pluspunkt für Fans, die Spiele zeitversetzt schauen.
YouTube TV liegt bei 82,99 Dollar pro Monat und ist damit der teuerste vMVPD in dieser Übersicht. Dafür bietet er die breiteste Senderauswahl, unbegrenztes Cloud DVR und die Möglichkeit, auf bis zu drei Geräten gleichzeitig zu streamen. Die Oberfläche ist intuitiv, die Integration mit YouTube selbst nahtlos. Für technisch weniger versierte Nutzer ist YouTube TV oft die unkomplizierteste Lösung.
Fubo positioniert sich als Sport-First-Plattform und enthält ESPN, lokale RSNs in vielen Märkten und ausgewählte NHL-Spiele. Die Preise beginnen bei rund 80 Dollar pro Monat. Der Vorteil gegenüber YouTube TV: In einigen Märkten hat Fubo Zugang zu regionalen Sportsnetworks, die bei der Konkurrenz fehlen. Der Nachteil: TNT ist bei Fubo nicht enthalten.
Die Gemeinsamkeit aller vMVPDs: Sie unterliegen denselben Blackout-Regeln wie das klassische Kabelfernsehen. In-Market-Spiele, die auf dem lokalen RSN laufen, sind nur über den jeweiligen RSN-Kanal im Paket verfügbar — oder gar nicht, wenn der vMVPD keinen Deal mit dem RSN hat. Das ist die zentrale Schwachstelle dieses Ansatzes.
Option 2: ESPN DTC und NHL Power Play
Der größte Umbruch in der Hockey-Streaming-Landschaft 2025–26 trägt drei Buchstaben: DTC. Seit dem 21. August 2025 bietet ESPN seinen Direct-to-Consumer-Dienst an — für 29,99 Dollar pro Monat im Unlimited-Tarif. Das Paket umfasst alle zwölf ESPN-Netzwerke, über 47.000 Live-Sportereignisse pro Jahr und — entscheidend für Hockey-Fans — das integrierte NHL Power Play.
NHL Power Play ersetzt das frühere NHL.TV und bietet Zugang zu sämtlichen Out-of-Market-Spielen der regulären Saison. Dazu kommen über 100 exklusive nationale NHL-Spiele auf ABC, ESPN und Hulu. Für einen reinen Hockey-Fan, der kein komplettes Kabelpaket will, ist ESPN DTC die kosteneffizienteste Einzellösung auf dem Markt.
Die Einschränkungen sind allerdings real. In-Market-Spiele bleiben auch bei ESPN DTC gesperrt — die Blackout-Regeln gelten unverändert. Wer in New York lebt und die Rangers verfolgt, muss für lokale Spiele weiterhin auf den regionalen Sender oder einen vMVPD mit MSG Network ausweichen. ESPN DTC ergänzt also das lokale Angebot, ersetzt es aber nicht vollständig.
Der technische Vorteil von ESPN DTC liegt in der Integration. Livescores, Streaming, NHL EDGE-Daten, Highlights und Betting-Funktionen laufen über eine einzige App. Das spart nicht nur Kosten, sondern auch Bildschirmzeit — man muss nicht zwischen vier verschiedenen Anwendungen wechseln, um ein Spiel zu verfolgen und gleichzeitig Statistiken zu prüfen.
Für Nutzer außerhalb der USA ist ESPN DTC allerdings nur eingeschränkt verfügbar. Die internationale Expansion des Dienstes ist angekündigt, aber zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung auf wenige Märkte begrenzt. Kanadische Fans bleiben auf Rogers und TSN angewiesen, europäische auf regionale Anbieter.
Option 3: OTA-Antenne plus Streaming-Kombi
Die Budget-Variante für Cord-Cutter, die kein monatliches Abo abschließen wollen: eine Over-the-Air-Antenne (OTA) in Kombination mit einem günstigen Streaming-Dienst. ABC überträgt regelmäßig NHL-Spiele am Samstagabend und während der Playoffs — frei empfangbar, in HD, ohne Abogebühren. Eine einfache Zimmerantenne für 20 bis 40 Dollar reicht in den meisten urbanen Gebieten aus.
Ergänzt man die Antenne mit ESPN DTC für 29,99 Dollar im Monat, entsteht ein Paket, das einen großen Teil der NHL-Saison abdeckt: die ABC-Spiele gratis, die ESPN-Exklusivspiele und Out-of-Market-Partien via Power Play über den DTC-Dienst. Die Gesamtkosten liegen damit unter 30 Dollar monatlich — ein Bruchteil der vMVPD-Preise.
Die Nachteile dieser Kombination: TNT-Spiele fehlen komplett, und lokale RSN-Übertragungen sind nur in Märkten verfügbar, in denen der regionale Sender über OTA ausgestrahlt wird — was selten der Fall ist. Für den Gelegenheitsfan, der die großen Spiele sehen will, ist diese Lösung ideal. Für den Hardcore-Fan, der jedes Spiel seines Teams live verfolgen muss, reicht sie nicht aus.
Eine Erweiterung des Budget-Ansatzes: Einzelne Dienste bieten kostenlose Testphasen an, die sich strategisch nutzen lassen. YouTube TV und Hulu + Live TV gewähren in der Regel sieben Tage kostenlosen Zugang. Wer diese Trials auf Playoff-Wochen oder das Stanley-Cup-Finale legt, sieht die entscheidenden Spiele ohne zusätzliche Kosten. Kein nachhaltiges Modell, aber ein pragmatischer Hack.
Kabel kündigen, Hockey behalten
Kabel kündigen und trotzdem Hockey behalten — das ist 2026 nicht nur möglich, sondern für viele Fans die bessere Lösung. ESPN DTC hat die Einstiegshürde drastisch gesenkt: Für 29,99 Dollar im Monat bekommt man mehr NHL-Inhalte als die meisten Kabelpakete bieten. Wer das mit einer OTA-Antenne kombiniert, kommt günstiger weg als je zuvor.
Die vMVPDs bleiben die richtige Wahl für Fans, die neben Hockey auch andere Sportarten und Unterhaltung streamen wollen. YouTube TV und Hulu + Live TV bieten das umfassendste Paket, Sling den günstigsten Einstieg. Der entscheidende Faktor bei der Wahl ist letztlich die Blackout-Situation im eigenen Markt. Wer sein lokales Team ohne Einschränkungen sehen will, muss prüfen, welcher Dienst den regionalen Sender im Paket hat. Alles andere ist Kür.
